Brüche

Brüche, Jagdbrauchtum

Hier ist eine Übersicht über die wichtigsten Brüche (Zweige) im Jagdwesen. In der Jägersprache versteht man darunter abgebrochene (nicht abgeschnittene!) Zweige bestimmter Baumarten (meist Eiche, Fichte, Erle, Kiefer oder Tanne  E F E K T), die zur Kommunikation oder zur Wahrung des Brauchtums dienen.

1. Die Brauchtumsbrüche (kulturell & ehrenvoll)

Diese Brüche dienen der Tradition, dem Respekt vor dem Wild und der Ehrung erfolgreicher Jäger.

Der Inbesitznahmebruch.  Zeigt an, dass das erlegte Wild rechtmäßig angesprochen und erlegt wurde („Mein Wild“). | Wird ungerebelt (mit Rinde) auf den Wildkörper gelegt. Bei männlichem Wild zeigt die Bruchspitze zum Haupt (Kopf), bei weiblichem zum Schloss (Heck). |

Der Letzte Bissen. Ein Zeichen des Respekts vor dem geschöpften Leben. Ein kleines, grünes Zweiglein wird dem erlegten Schalenwild (nur den "besseren" Wildarten) in den Äser (Maul) geschoben. 

Der Schützenbruch. Die Ehrengabe für den erfolgreichen Schützen. Der Jagdleiter oder Erleger bricht einen Zweig, benetzt ihn mit dem Schweiß (Blut) des Wildes und überreicht ihn auf dem Hut oder der Blankwaffe mit den Worten „Waidmannsheil“. Der Schützenbruch wird auf der rechten Hutseite getragen.

Der Trauerbruch. Ausdruck der Trauer bei Beerdigungen von Jägern oder am Gründonnerstag. Ein Nadel- oder Laubholzzweig, der mit der Unterseite nach oben (die hellere Seite zeigt nach außen) auf der linken Hutseite getragen wird.

2. Die Mitteilungsbrüche (Die Post des Jägers)

Diese Brüche dienten traditionell (vor Zeiten von Smartphones und GPS) der Orientierung und Nachrichtenübermittlung im Revier. Sie werden fast immer gerebelt (die Rinde wird teilweise entfernt), um sie unübersehbar zu machen.

Der Hauptbruch

Bedeutung: „Achtung! Hier gibt es eine wichtige Nachricht oder einen wichtigen Punkt.“

Aussehen: Ein armlanger Zweig, der komplett gerebelt ist, bis auf ein paar Blätter/Nadeln an der Spitze.

Verwendung: Liegt meist auf dem Boden oder wird gut sichtbar aufgehängt. Er weist darauf hin, dass man sich in der Nähe genau umsehen soll.

Der Leitbruch

Bedeutung: „Folge dieser Richtung.“

Aussehen: Ein halbarmlanger Zweig, der gerebelt ist. Die gewachsene Spitze zeigt in die zu gehende Richtung.

Verwendung: Wird auf den Boden gelegt, um nachfolgenden Jägern den Weg zu weisen (z. B. zur nächsten Kanzel oder zum Sammelplatz). 

Der Anschussbruch

Bedeutung: Markiert die Stelle, an der das Wild im Moment des Schusses stand.

Aussehen: Ein unveränderter Zweig, der senkrecht in den Boden gesteckt wird.

Zusatz: Daneben wird oft ein Fährtenbruch gelegt (Spitze zeigt in die Fluchtrichtung des Wildes), um dem Schweißhundeführer die Arbeit zu erleichtern.

Der Wartebruch

 Bedeutung: „Hier warten!“ oder „Ich habe hier gewartet.“

Aussehen: Zwei kreuzweise übereinandergelegte Brüche.

Verwendung: Wenn ein Jäger an einem vereinbarten Treffpunkt auf den Jagdkameraden warten soll oder den Platz bereits verlassen hat.

Der Warnbruch

Bedeutung: „Gefahr!“ (z. B. eine baufällige Kanzel, eine Schlinge oder Tollwutgefahr).

Aussehen: Ein Zweig wird vom Laub/den Nadeln komplett befreit (bis auf die äußerste Spitze) und zu einem Kreis zusammengebunden oder bogenförmig aufgehängt.

Merke für die Praxis:

Brauchtumsbrüche werden auf dem Hut oder am Wild getragen/platziert und sind ungerebelt.

Mitteilungsbrüche liegen im Revier am Boden oder hängen in den Bäumen und sind fast immer gerebelt (unter Rinde weiß), damit sie im Wald sofort ins Auge stechen.

 

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