Falknerei, Greifvögel und Eulen

Greifvögel, Eulen

Artenschutz, Falknerei.

Die Falknerei – die Kunst, mit abgerichteten Greifvögeln zu jagen – ist eine der ältesten Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Sie ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Tradition, Naturbeobachtung und modernem Artenschutz.
Hier ist ein kompakter Überblick über ihre Entwicklung und ihre heutige Bedeutung.

Eine kurze Geschichte der Falknerei:


Die Ursprünge der Falknerei liegen im Dunkeln, werden aber vor mindestens 3.500 bis 4.000 Jahren in den Steppen Zentralasiens oder im Nahen Osten vermutet. Ursprünglich war sie eine reine Notwendigkeit: In baumlosen Landschaften halfen die Vögel, Fleisch für den Kochtopf zu beschaffen.


Der Weg nach Europa: Über den Nahen Osten und das Römische Reich gelangte die Beizjagd (so der Fachbegriff für die Jagd mit Vögeln) nach Europa.


Die Blütezeit im Mittelalter: Vom 12. bis zum 17. Jahrhundert erlebte die Falknerei in Europa ihren Höhepunkt. Sie wurde zum Statussymbol des Adels. Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen schrieb im 13. Jahrhundert mit „De arte venandi cum avibus“ (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen) das bis heute gültige Standardwerk.


Der Niedergang: Mit der Erfindung und Verbreitung von präzisen Schusswaffen im 18. und 19. Jahrhundert verlor die Falknerei ihre Bedeutung als Jagdmethode und geriet fast in Vergessenheit.


Kulturerbe: Im Jahr 2010 (in Deutschland 2014) wurde die Falknerei von der UNESCO offiziell als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.


Zweck und Aufgaben in der heutigen Zeit:


Heute geht es bei der Falknerei längst nicht mehr darum, den Speisezettel des Menschen zu füllen. Die Aufgaben moderner Falknerinnen und Falkner haben sich grundlegend gewandelt und sind streng reguliert.


1. Natur- und Artenschutz (Die wichtigste Säule)
Moderne Falkner leisten einen riesigen Beitrag zum Erhalt von Greifvögeln:
Nachzuchtprogramme: Viele Falknereien züchten bedrohte Arten nach. In den 1970er und 80er Jahren halfen Falkner entscheidend dabei, den durch Pestizide (wie DDT) fast ausgerotteten Wanderfalken in Mitteleuropa und Nordamerika wieder anzusiedeln.
Auffangstationen: Falkner betreiben oft Pflegestationen für verletzte oder verwaiste Wildvögel, um sie medizinisch zu versorgen und wieder in die Natur zu entlassen.


2. Biologische Schadensabwehr (Vergrämung)
In unserer modernen Infrastruktur wird der Jagdtrieb der Vögel gezielt genutzt, um Wildschäden oder Unfälle zu vermeiden:
Flughäfen: Falkner lassen ihre Vögel auf Start- und Landebahnen fliegen, um dort brütende oder rastende Vogelschwärme (z. B. Krähen oder Möwen) zu vertreiben. Das verhindert den gefährlichen Vogelschlag (Bird Strike) bei Flugzeugen.
Urbane Räume & Industrie: In Parks, Obstplantagen oder auf Fabrikgeländen werden Falken eingesetzt, um Tauben- oder Kaninchenplagen auf natürliche Weise und ohne Gift einzudämmen.


3. Die Beizjagd als ökologische Jagdform
Auch heute wird noch aktiv gebeizt. Es gilt als die naturnahste und faunengerechteste Form der Jagd. Der Falkner greift nicht aktiv ein; es gilt das Gesetz der Natur: Nur wenn die Beute krank, alt oder unaufmerksam ist, hat der Greifvogel Erfolg. Zudem entstehen im Gegensatz zur Schusswaffenjagd kein Lärm und keine Bleirückstände in der Umwelt.


4. Pädagogik und Öffentlichkeitsarbeit
Viele Falknereien und Greifvogelstationen bieten Flugvorführungen an. Ihr Zweck ist es, Menschen die oft scheuen Raubvögel näherzubringen, biologische Zusammenhänge zu erklären und das Bewusstsein für den Schutz von Lebensräumen zu schärfen.

Hinweis: Wer heute in Deutschland die Falknerei ausüben möchte, muss eine staatliche Jägerprüfung und zusätzlich eine spezielle Falknerprüfung ablegen sowie ein extrem strenges Tierschutzrecht beachten.

 

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