Gehörne, Geweihe
Vielseitigkeit der Natur
Der biologische Unterschied zwischen den Kopfanhängen von Boviden (Hornträgern wie Rindern, Schafen, Ziegen) und Cerviden (Hirschartigen wie Rothirschen, Rehen, Elchen) ist fundamental. Im deutschen Sprachgebrauch unterscheiden wir das ganz sauber zwischen Horn und Geweih.
Die beiden Systeme unterscheiden sich grundlegend in ihrem Material, ihrem Wachstum und darin, ob sie abgeworfen werden.
Der direkte Vergleich
Merkmal Boviden (Hornträger)
- Material Keratin (Hornsubstanz, wie Fingernägel) über einem Knochenkern. Reiner, nackter Knochen.
Wachstum Wächst ein Leben lang kontinuierlich von der Basis her. - Wird nicht abgeworfen (Ausnahme: Gabelbock, der aber keine echte Bovide ist). Verzweigung Immer unverzweigt (kann aber geschwungen oder gedreht sein).
- Geschlecht Meistens beide Geschlechter (Männchen oft größer).
- Blutgassorung beim Wachstum Innenliegend (über die Blutgefäße des Knochenzapfens).
Horn Cerviden (Hirschartige) -> Geweih
- Wird jedes Jahr in wenigen Monaten komplett neu gebildet.
- Jährlicher Abwurf und anschließende Regeneration.
- Oft stark verzweigt (Endenbildung).
- Fast nur Männchen (Ausnahme: Rentiere, dort tragen auch die Weibchen Geweih).
- Blutgassorung beim Wachstum außenliegend über eine behaarte Hautschicht (Bast), die später gefegt wird.
Die Systeme im Detail
1. Boviden: Das echte Horn
Ein Horn ist wie eine zweischichtige Scheide aufgebaut. Im Inneren befindet sich ein Zapfen aus lebendem Stirnknochen. Darüber wächst eine dicke Hülle aus totem Keratin. Da das Horn permanent weiterwächst und nie abgeworfen wird, kann man bei vielen Arten anhand der Wachstumsringe (ähnlich wie bei Bäumen) das Alter des Tieres bestimmen. Verliert ein Tier sein Horn durch einen Unfall, wächst es in der Regel nicht mehr nach.
2. Cerviden: Das Geweih
Ein Geweih besteht aus echtem Knochengewebe und ist während der Wachstumsphase eines der am schnellsten wachsenden Gewebe im Tierreich.
Die Wachstumsphase: Während der Entstehung ist der Knochen von einer samtartigen, extrem gut durchbluteten Haut umgeben – dem Bast. Dieser liefert die Nährstoffe für den Knochenaufbau.
Das Fegen: Ist das Wachstum abgeschlossen, stirbt die Basthaut ab. Das Tier reibt ("fegt") das tote Gewebe an Sträuchern und Bäumen ab, bis der nackte Knochen freiliegt.
Der Abwurf: Nach der Paarungszeit (Brunft) sinkt der Testosteronspiegel der Tiere. Spezielle Zellen bauen die Verbindungsschicht am Stirnbein (den Rosenstöcken) ab, und das Geweih fällt ab, woraufhin der Zyklus von vorn beginnt.
Merkhilfe: Das Horn der Boviden bleibt hier (lebenslang). Das Geweih der Cerviden geht (wird abgeworfen).









