Tauben
Vielseitigkeit der Natur
Tauben sind faszinierende Vögel, die weit mehr zu bieten haben als ihr manchmal schlechter Ruf in den Innenstädten vermuten lässt. In Mitteleuropa haben wir eine spannende Vielfalt an einheimischen Wildtauben sowie die allgegenwärtige Haustaube.
Hier ist eine Übersicht zu den verschiedenen Arten und ihren Merkmalen:
1. Ringeltaube (Columba palumbus)
Die Ringeltaube ist unsere größte und mit Abstand häufigste Wildtaube. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem scheuen Waldvogel zu einem selbstbewussten Kulturfolger in unseren Gärten und Parks entwickelt.
Adult (Erwachsen): Unverkennbar durch die weißen Halsflecken ("Ring") an den Halsseiten, die von einem prächtigen, grün-violett schimmernden Gefieder umgeben sind. Im Flug fallen sofort die breiten, weißen Bänder auf den Flügeln auf. Die Brust ist wunderschön weinrötlich angehaucht.
Juvenil (Jungvogel): Jungen Ringeltauben fehlt das wichtigste Namensmerkmal noch komplett: Sie haben keinen weißen Halsfleck und ihr Gefieder wirkt insgesamt matter, bräunlicher und weniger kontrastreich. Der Hals schimmert auch noch nicht metallisch. Die weißen Flügelbänder sind im Flug aber schon gut zu erkennen.
2. Gemeine Haustaube (Columba livia domestica)
Die typische "Stadttaube". Sie stammt genetisch direkt von der südeuropäischen Felsentaube ab und wurde vom Menschen domestiziert (als Brief-, Fleisch- oder Ziertaube), bevor viele Tiere wieder verwilderten.
Merkmale: Extrem variabel! Da sie von Zuchttauben abstammt, sieht kaum eine aus wie die andere. Es gibt sie von reinweiß über braun und gescheckt bis hin zu Mustern, die der wilden Felsentaube ähneln (blaugrau mit zwei dunklen Flügelbinden).
Verhalten: Sie ist die einzige Taube, die das ganze Jahr über mitten in unseren Betonwüsten brütet, da sie von Gebäuden als "Ersatzfelsen" profitiert.
3. Türkentaube (Streptopelia decaocto)
Diese zierliche Taube ist ein Einwanderer: Erst im 20. Jahrhundert hat sie sich aus Asien und Südosteuropa zu uns ausgebreitet.
Merkmale: Deutlich kleiner und schlanker als die Ringeltaube. Ihr Gefieder ist fast einfarbig hell-beige bis sandfarben. Ihr namensgebendes Merkmal ist ein schmaler, schwarzer Ring im Nacken. Ihre Augen sind auffällig rot.
Ruf: Ihr monotoner Dreisilber ("Gu-gúh-gu") wird im Sommer oft fälschlicherweise für den Ruf eines Kuckucks gehalten.
4. Hohltaube (Columba oenas)
Die Hohltaube ist die geheimnisvollste unter unseren Wildtauben. Sie lebt sehr zurückgezogen in alten Laub- und Mischwäldern (besonders Buchenwäldern).
Merkmale: Sie sieht der Haustaube recht ähnlich, unterscheidet sich aber strikt durch ihr absolut einheitliches, schlichtes blaugraues Gefieder. Sie hat kein Weiß im Gefieder (weder am Hals noch auf den Flügeln). An den Halsseiten zeigt sie einen intensiv grünen Glanzfleck und ihre Augen sind komplett schwarz.
Besonderheit: Sie ist unsere einzige Taube, die in Höhlen brütet. Da sie selbst keine Höhlen zimmern kann, ist sie angewiesen auf alte Höhlen des Schwarzspechts.
5. Turteltaube (Streptopelia turtur)
Sie ist die kleinste, bunteste und leider auch am stärksten bedrohte Wildtaube bei uns (Vogel des Jahres 2020). Als einzige unserer Tauben ist sie ein echter Langstreckenzieher und verbringt den Winter in Afrika südlich der Sahara.
Merkmale: Wunderschön gezeichnet. Ihr Rücken und die Flügeloberseiten zeigen ein auffälliges, rostbraun-schwarz geschupptes Muster. An den Halsseiten hat sie ein kleines Feld aus schwarz-weißen Streifen.
Status: Ihr Bestand ist durch Lebensraumverlust (Fehlen von Wildkräutern und Hecken in der Agrarlandschaft) sowie illegale und legale Jagd auf den Zugwegen im Mittelmeerraum dramatisch eingebrochen.
Vögel bestimmen: Tauben im Vergleich - NABU






