Rehwild
Vielseitigkeit der Natur
Das Reh (Capreolus capreolus) ist die kleinste, anpassungsfähigste und am weitesten verbreitete Hirschart in Europa. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum ist das Reh nicht die "Frau vom Hirsch" (dem Rothirsch), sondern eine eigenständige biologische Art.
Hier ist das wichtigste Wissen über unser heimisches Rehwild kompakt zusammengefasst.
Steckbrief: Das Reh auf einen Blick
Merkmal Details:
Größe & Gewicht Schulterhöhe 60–75 cm; Gewicht 15–30 kg (sehr zierlich)
Lebensraum Kulturlandschaften, Waldränder, Felder und Wiesen ("Schlüpfertyp")
Nahrung Konzentratselektierer (wählerische "Feinschmecker")
Lebenserwartung In freier Wildbahn selten älter als 8–10 Jahre
Bezeichnungen in der Jägersprache
In der Biologie und Jagdkunde werden die Tiere je nach Alter und Geschlecht spezifisch benannt:
Männchen: Rehbock (trägt ein Geweih, das jedes Jahr im Spätherbst abgeworfen wird).
Weibchen: Ricke (oder Geiß).
Nachwuchs: Kitz (männlich = Bockkitz, weiblich = Rickenkitz).
Besonderheiten in Biologie und Verhalten
Fellwechsel & der "Spiegel": Im Sommer ist das Fell leuchtend rotbraun, im Winter graubraun und deutlich dicker. Das weiße Fellhaar am Hinterteil wird Spiegel genannt. Er dient als optisches Signal, wenn die Tiere bei Gefahr flüchten.
Der Feinschmecker-Magen: Rehe sind Wiederkäuer, haben aber einen relativ kleinen Magen. Sie können faseriges Gras schlecht verdauen. Deshalb suchen sie gezielt nach leicht verdaulicher, energiereicher Nahrung: junge Knospen, Kräuter, Beeren und Triebe. Das führt in der Forstwirtschaft oft zu Konflikten, da Rehe gerne die Spitzen junger Waldbäume abknabbern (Verbiss).
Die Eiruhe (Biologisches Wunder): Die Paarungszeit (Blattzeit) findet im Hochsommer (Juli/August) statt. Um zu verhindern, dass die Jungen mitten im harten Winter geboren werden, verharrt das Ei nach der Befruchtung monatelang in einer Ruhephase (Keimruhe). Erst im Januar wächst der Embryo normal weiter, sodass die Kitze im Mai/Juni bei bestem Nahrungsangebot zur Welt kommen.
Wichtiger Hinweis zum Schutz von Kitzen: In ihren ersten Lebenswochen haben Kitze noch keinen Eigengeruch, um sich vor Feinden wie Füchsen zu schützen. Die Ricke legt sie im hohen Gras ab und kehrt nur zum Säugen zurück. Wer ein Kitz im Feld findet, darf es niemals anfassen! Menschlicher Geruch führt dazu, dass die Mutter das Jungtier verstößt. Zudem besteht im Mai/Juni beim Mähen von Wiesen große Gefahr durch Erntemaschinen (weshalb heute vermehrt Drohnen mit Wärmebildkameras zur Kitzrettung eingesetzt werden).
Lebensweise im Jahreskreislauf
Rehe sind von Natur aus dämmerungsaktiv. Während sie im Sommer als strikte Einzelgänger leben und die Böcke ihre Revierteile aggressiv verteidigen, schließen sie sich im Winter zu lockeren Zweckgemeinschaften zusammen. Diese Gruppen nennt man in der Jägersprache Sprünge. Das Leben im Sprung erhöht im kahlen Winter die Chance, Feinde rechtzeitig zu entdecken.
Rehwild - Wissen für die Jägerprüfung

































