Eulen
Vielseitigkeit der Natur
Die heimische Eulenwelt in Mitteleuropa ist faszinierend und enorm vielseitig. Sie reicht vom winzigen Sperlingskauz, der kaum größer als ein Sperling ist, bis hin zum mächtigen Uhu, dem größten Nachtvogel der Erde.
Hier ist eine kompakte Übersicht der neun von dir genannten einheimischen Eulenarten, sortiert nach ihrer typischen Körpergröße.
Die Riesen unter den Eulen
Uhu (Bubo bubo)
Er ist der unangefochtene König der Nacht. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 170 cm und seinen markanten, langen Federohren sowie den leuchtend orange-gelben Augen ist er unverkennbar. Uhus jagen nicht nur Mäuse, sondern auch Igel, Hasen und sogar andere Greifvögel oder Eulen. Sie brüten bevorzugt in felsigen Regionen, Steinbrüchen oder zunehmend auch an Gebäuden.
Habichtskauz (Strix uralensis)
Er sieht aus wie eine deutlich größere, kontrastreicher gezeichnete Version des Waldkauzes. Der Habichtskauz war in Deutschland komplett ausgerottet, wird aber seit einigen Jahren (vor allem im Bayerischen Wald) wieder erfolgreich angesiedelt. Er benötigt alte, strukturreiche Wälder mit viel Totholz für seine Brutplätze.
Die mittelgroßen Jäger
Waldkauz (Strix aluco)
Unsere häufigste einheimische Eule. Der Waldkauz ist extrem anpassungsfähig und lebt in Wäldern, Parks und großen Gärten. Bekannt ist er vor allem durch den klassischen, schaurig-schönen "Huu-hu-huuuuu"-Ruf der Männchen aus alten Kriminalfilmen. Er hat einen runden Kopf mit tiefschwarzen Augen und besitzt keine Federohren.
Schleiereule (Tyto alba)
Ein echter Kulturfolger: Sie lebt fast ausschließlich in der Nähe des Menschen und brütet in Scheunen, Kirchtürmen oder alten Ruinen. Ihr helles, herzförmiges Gesicht (der sogenannte Gesichtsschleier) und ihr lautloser, fast geisterhafter Flug machen sie unverwechselbar. Statt zu rufen, stößt sie oft gellende, zischende Schreie aus.
Waldohreule (Asio otus)
Sie ist etwa so groß wie ein Waldkauz, wirkt aber viel schlanker. Ihr auffälligstes Merkmal sind die langen Federohren, die sie bei Erregung steil nach oben aufrichtet (mit dem Gehör haben diese Federn übrigens nichts zu tun, sie dienen der Tarnung und Kommunikation). Im Winter tun sich Waldohreulen oft zu Schlafgemeinschaften zusammen und sitzen tagsüber dicht an dicht in Nadelbäumen.
Sumpfohreule (Asio flammeus)
Ein seltener Gast und Bodenbrüter, der offene Landschaften wie Moore, Heideflächen und Küstenregionen bevorzugt. Das Besondere an ihr: Sie ist im Gegensatz zu den meisten anderen Eulen häufig am späten Nachmittag und in der Dämmerung aktiv. Ihre Federohren sind sehr kurz und kaum zu sehen.
Die kleinen Kauze
Raufußkauz (Aegolius funereus)
Seinen Namen verdankt er den dicht bis zu den Krallen befederten Beinen ("rauh" bedeutete früher behaart oder gefiedert). Er lebt in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in Nadelwäldern. Er ist stark an den Schwarzspecht gebunden, da er fast ausschließlich in dessen verlassenen Bruthöhlen nistet.
Steinkauz (Athene noctua)
Mit nur etwa 20 cm Größe ist er ein Winzling, der eng an traditionelle Kulturlandschaften wie Streuobstwiesen und Viehweiden gebunden ist. Der Steinkauz benötigt alte Kopfweiden oder Obstbäume mit Naturhöhlen. Typisch ist sein "koboldhaftes" Verhalten: Bei Störung knickst und verbeugt er sich aufgeregt.
Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
Die kleinste Eule Europas – kaum größer als ein Star. Trotz seiner geringen Größe ist er ein extrem mutiger Jäger, der im Unterholz von Nadelwäldern sogar Vögel schlägt, die fast so groß sind wie er selbst. Da er oft am Tag und in der Dämmerung aktiv ist, kann man ihn mit etwas Glück bei der Jagd beobachten.
Schnellvergleich im Überblick
Eulenart Größe (ca.) Hauptlebensraum Besonderheit:
Uhu 60–75 cm Felsen, Steinbrüche, Wälder Größte Eule, markante Federohren
Habichtskauz 50–60 cm Urwaldartige Wälder Selten, Wiederansiedlungsprojekte
Waldkauz 37–40 cm Wälder, Parks, Gärten Häufigste Art, tiefschwarze Augen
Schleiereule 33–35 cm Scheunen, Kirchtürme Herzförmiger Gesichtsschleier
Waldohreule 35–37 cm Waldränder, offenes Gelände Lange, auffällige Federohren
Sumpfohreule 35–42 cm Moore, Küsten, Heide Bodenbrüter, oft tagaktiv
Raufußkauz 22–27 cm Nadelwälder (Berglagen) Nutzt alte Schwarzspechthöhlen
Steinkauz 21–23 cm Streuobstwiesen, Weiden Knickst bei Störung, sehr klein
Sperlingskauz 16–19 cm Wilde Nadel- und Mischwälder Kleinste Eule Europas
Die heimischen Eulenarten - FOGE-Eulenforschung















