Amphibien und Reptilien
Vielseitigkeit der Natur
In Mitteleuropa (am Beispiel Deutschlands) leben insgesamt 21 einheimische Amphibienarten und 14 Reptilienarten.
Obwohl sie oft in einen Topf geworfen werden, gibt es einen fundamentalen Unterschied:
Amphibien besitzen eine nackte, feuchte Haut und benötigen für ihre Fortpflanzung zwingend Wasser.
Reptilien hingegen haben eine trockene Schuppenhaut und legen eischalige Eier an Land ab – sie sind völlig unabhängig vom Wasser.
Hier eine kompakte Übersicht der verschiedenen Gruppen:
1. Amphibien (Lurche)
Unsere Amphibien teilen sich in zwei optisch völlig verschiedene Ordnungen auf:
Schwanzlurche (Molche und Salamander)
Sie behalten ihren Schwanz ihr Leben lang und erinnern optisch an Echsen, haben aber eine völlig glatte, drüsenreiche Haut ohne Schuppen.
Molche: Verbringen das Frühjahr im Wasser, wo die Männchen zur Paarungszeit oft spektakuläre Rückenkämme entwickeln.
Die vier einheimischen Arten sind der Teichmolch (häufigste Art), der Bergmolch (wunderschön blau-orange), der Fadenmolch und der große, seltene Kammmolch.
Salamander: Leben fast ausschließlich an Land. Der bekannteste ist der Feuersalamander mit seiner auffälligen schwarz-gelben Warnfärbung. Er bringt im Gegensatz zu den Molchen fertige Larven im Wasser zur Welt, anstatt Eier zu legen.
Froschlurche (Frösche, Kröten, Unken)
Sie haben als erwachsene Tiere keinen Schwanz mehr und besitzen kräftige Hinterbeine zum Springen.
Frösche: Haben eine glatte Haut und lange Sprungbeine (z. B. Grasfrosch, Teichfrosch, Laubfrosch).
Kröten & Unken:Besitzen eine eher warzige, trockenere Haut und bewegen sich eher krabbelnd vorwärts (z. B. Erdkröte, Gelbbauchunke).
2. Reptilien (Kriechtiere)
Die einheimischen Reptilien sind echte Landtiere, die die Wärme lieben. Neben einer einzigen Schildkrötenart (der sehr seltenen Europäischen Sumpfschildkröte) teilt sich die Gruppe in Echsen und Schlangen auf:
Eidechsen (Echsen mit Beinen)
Sie sind flinke, sonnenliebende Jäger mit vier Beinen, Krallen und einem langen Schwanz, den sie bei Gefahr an einer Sollbruchstelle abwerfen können (er wächst unvollständig nach).
Zauneidechse: Die Männchen färben sich zur Paarungszeit im Frühjahr leuchtend grün.
Waldeidechse (Bergeidechse): Sehr anpassungsfähig, lebt auch in kühleren Mooren und Bergen. Sie bringt lebende Jungen zur Welt.
Mauereidechse: Liebt nackten Fels und Weinbergmauern, breitet sich durch den Klimawandel aktuell stark aus.
Die Blindschleiche (Die Echse ohne Beine)
Der größte Irrtum: Die Blindschleiche ist keine Schlange, sondern eine beinerne Echse, die im Laufe der Evolution ihre Gliedmaßen vollständig verloren hat.
Woran man das erkennt? Sie hat im Gegensatz zu Schlangen bewegliche Augenlider (sie kann blinzeln) und kann bei Gefahr – genau wie Eidechsen – ihren Schwanz abwerfen. Ihr Körper wirkt starrer und glänzender (wie poliertes Metall) als der einer Schlange. Sie ist absolut harmlos und frisst hauptsächlich Nacktschnecken.
Schlangen
In Deutschland gibt es sieben heimische Schlangenarten. Sie haben keine Augenlider, starre Pupillen und häuten sich im Ganzen ("Natternhemd"). Sie lassen sich in zwei Familien unterteilen:
Ungiftige Nattern (5 Arten):
Ringelnatter: Unsere häufigste Schlange. Leicht zu erkennen an den zwei gelben bis weißen "Halbmonden" am Hinterkopf. Sie lebt meist in der Nähe von Wasser und jagt Frösche.
Weitere Arten: Schlingnatter (wird oft mit der Kreuzotter verwechselt), Äskulapnatter (sehr groß, klettert gern), Würfelnatter und Vipernatter (beide extrem selten).
Giftige Vipern (2 Arten):
Kreuzotter: Erkennt man am dunklen Zickzackband auf dem Rücken und den **schlitzförmigen, senkrechten Pupillen** (Nattern haben runde Pupillen). Ihr Biss ist zwar giftig, für gesunde Erwachsene aber fast nie lebensbedrohlich und Bisse sind extrem selten.
Aspisviper: Kommt in Deutschland nur in einem winzigen, isolierten Areal im Schwarzwald vor.
Wichtiger Hinweis zum Schutz: Jede einzelne der hier genannten Amphibien- und Reptilienarten steht unter strengem Naturschutz. Durch die intensive Landwirtschaft, das Zuschütten von Kleingewässern und die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen gehören sie zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen überhaupt.
Amphibien und Reptilien - NABU


















