Greifvögel
Vielseitigkeit der Natur
Die einheimischen Greifvögel und Falken Mitteleuropas sind faszinierende Jäger, die perfekt an ihre jeweiligen biologischen Nischen angepasst sind. Obwohl sie oft in einen Topf geworfen werden, gehören sie zwei völlig unterschiedlichen evolutionären Linien an: den Greifvögeln (Habichtartige, Adler, Fischadler) und den echten Falken.
Hier ist die kompakte Übersicht deiner Liste, aufgeteilt nach ihren Familien und Jagdstrategien.
1. Die Bussarde (Ansitz- und Suchfliegger)
Bussarde sind meist kompakte Vögel mit breiten Flügeln, die man oft beim Segeln oder auf Zaunpfählen an Autobahnen beobachten kann.
Mäusebussard: Unser häufigster Greifvogel. Er ist extrem anpassungsfähig, farblich sehr variabel (von fast weiß bis dunkelbraun) und ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern.
Raufußbussard: Ein Wintergast aus dem hohen Norden. Du erkennst ihn an den bis zu den Zehen befiederten Beinen (daher „Raufuß“) und einem meist sehr hellen Schwanz mit dunkler Endbinde.
Wespenbussard: Ein hochspezialisierter Sommergestein, der im Winter nach Afrika zieht. Er plündert mit Vorliebe Wespennester, wofür sein Kopf mit schuppenartigen, harten Federn gegen Stiche geschützt ist.
2. Habichte und Sperber (Grifftöter des Waldes)
Diese beiden Arten sind Meister der Manövrierfähigkeit im dichten Geäst. Sie haben relativ kurze, abgerundete Flügel und einen langen Steuerschwanz.
Habicht: Der größere von beiden. Ein rasanter Überraschungsjäger im Wald, der sowohl Vögel (wie Tauben und Krähen) als auch Säugetiere (Hasen) schlägt. Ausgewachsene Tiere haben eine auffällig quergebänderte („gesperberte“) Brust und einen weißen Überaugenstreif.
Sperber: Quasi die „Miniatur-Ausgabe“ des Habichts. Das Männchen ist kaum größer als eine Drossel, das Weibchen deutlich größer. Er hat sich extrem auf die Jagd von kleinen Singvögeln im Unterholz oder in Gärten spezialisiert.
3. Die Adler und der Fischadler (Die Giganten)
Hier finden wir die größten und imposantesten Flieger unserer Region.
Seeadler: Der „König des Nordens“ und unser größter Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern. Charakteristisch sind der riesige, gelbe Schnabel und der weiße Schwanz der Altvögel. Er lebt an großen Gewässern und jagt Fische sowie Wasservögel.
Steinadler: Der „König der Alpen“. Er ist perfekt an das Leben im Gebirge angepasst, wo er Murmeltiere, Gämse oder Schneehasen erbeutet. Er nutzt die Thermik der Bergwände für den Segelflug.
Fischadler: Er gehört taxonomisch zu einer ganz eigenen Familie. Er ist ein reiner Fischereispezialist. Atemberaubend ist seine Jagdmethode: Er rüttelt über dem Wasser und stößt dann im Sturzflug hinein, wobei er den Fisch mit seinen rau geschuppten Wendenzehen packt.
4. Die echten Falken (Die Highspeed-Jäger)
Falken nutzen keine Baumwipfel für die Pirsch, sondern setzen auf Fluggeschwindigkeit, spitze Flügel und den sogenannten „Falkenzahn“ (eine Einkerbung am Oberschnabel zum Töten der Beute). Falken sind zooligisch näher mit den Papageien verwandt, als mit den Greifvögeln.
Turmfalke: Jeder kennt ihn – es ist der Vogel, der wie ein Hubschrauber in der Luft „rüttelt“, um am Boden nach Feldmäusen Ausschau zu halten. Er ist der häufigste Falke bei uns und oft an Kirchtürmen oder Autobahnböschungen zu sehen.
Wanderfalke: Das schnellste Tier der Welt. Im steilen Sturzflug aus großer Höhe erreicht er Geschwindigkeiten von über 300 km/h. Er jagt fast ausschließlich Vögel im freien Luftraum und nistet an Felswänden oder hohen Gebäuden.
Baumfalke: Er sieht aus wie ein Wanderfalke im Westentaschenformat und erinnert im Flug an eine riesige Schwalbe. Er ist extrem wendig und fängt im Flug Libellen und kleine Vögel (sogar Schwalben und Mauersegler). Er ist ein Zugvogel.
Schon gewusst? Während Habichtartige ihre Beute mit den langen, scharfen Krallen durch kraftvolles Zusammendrücken töten (Grifftöter), nutzen Falken ihren kräftigen Schnabel für einen gezielten Genickbiss (Bisstötung).































