Waldmanifest Ortgemeinde Guckheim

Waldmanifest der Ortsgemeinde Guckheim

Eine nachhaltige Beförsterung des Waldes gewinnt in Zeiten des Klimawandels und anhaltender Trockenheit massiv an Bedeutung. Ein herausragendes regionales Praxisbeispiel hierfür ist das Guckheimer Waldmanifest (beschlossen Anfang 2024 in der Ortsgemeinde Guckheim im Westerwald). Es zeigt exemplarisch, wie der radikale Wandel von einer rein gewinnorientierten Holzwirtschaft hin zu einem ökologischen Generationenprojekt gelingen kann.

Hier ist die Zusammenfassung, warum dieser Weg für alle Beteiligten so wichtig ist:

1. Für den Wald: Anpassung und Selbstheilung

Der Wald leidet stark unter den Folgen der Trockenheitsschäden der letzten Jahre. Das Guckheimer Waldmanifest zieht daraus drastische Konsequenzen:

Abkehr vom Profit: Der Wald wird nicht mehr als primäre Einnahmequelle für den Haushalt gesehen, da der Holzeinschlag durch den Generationenwechsel der Bäume ohnehin stark zurückgeht.

Schutz durch Stilllegung: Das Manifest sieht vor, mittelfristig bis zu 25 % der eigenen Forstflächen komplett stillzulegen (wie die geschaffenen Zonen im Bereich „Römel“/Steinbruch). Ohne menschlichen Eingriff kann sich hier ungestört eine widerstandsfähige Naturverjüngung entwickeln.

Minimaler Eingriff: Eingeschlagen wird nur noch das, was aus forstwirtschaftlicher Notwendigkeit, zur Verkehrssicherung oder durch Windwurf ohnehin anfällt.

2. Für den Mensch: Naherholung und Grundversorgung

Für uns Menschen erfüllt der nachhaltig bewirtschaftete Wald eine Doppelrolle als Lebensader und Schutzraum.

Sicherung der Brennholzversorgung: Das Manifest regelt sozial gerecht, dass das minimal anfallende Holz als allererstes den Guckheimer Bürgern für die heimische Brennholzversorgung zur Verfügung gestellt wird.

Ruhe- und Erholungsraum: Um den Wald als Rückzugsort für den Menschen zu erhalten und gleichzeitig den Stress für das Ökosystem zu minimieren, setzt das Manifest klare Grenzen – so wird beispielsweise das Anlegen von Cross-Trails und Mountainbike-Strecken im Wald untersagt.

3. Für die Natur: Biodiversität und Klimaschutz

Ein gesunder Mischwald mit hohem Totholzanteil und Stilllegungszonen ist der beste Klimaschützer.
CO₂-Speicher und Wasserspeicher: Intakte Waldböden und dichter Bewuchs halten die Feuchtigkeit in der Region und kühlen die Umgebung.

Artenschutz: Die im Guckheimer Manifest verankerten Stilllegungsflächen bieten seltenen Pflanzen, Pilzen und Insekten Lebensräume, die in einem reinen Wirtschaftswald ("Holzplantage") keine Überlebenschance hätten.

4. Für das Wild: Ruhezonen und natürliches Gleichgewicht

Der Rückzug des Menschen aus großen Teilen des Waldes hat direkte, positive Auswirkungen auf die Tierwelt.

Weniger Stress durch Freizeitdruck: Durch das Verbot von Cross-Trails und die Schaffung echter forstwirtschaftlicher Ruhezonen wird das Wild weit weniger aufgescheucht.

Verhinderung von Verbiss: Wenn Wildtiere ungestört in ihren natürlichen Ruhezonen fressen können und nicht ständig durch Querfeldein-Sportler aufgeschreckt werden, sinkt der Stresspegel. Das führt dazu, dass sie weniger Schäden durch das Verbeißen von jungen, nachwachsenden Bäumen anrichten.

Fazit:Das Guckheimer Waldmanifest zeigt, dass nachhaltige Beförsterung heute bedeutet, dem Wald Zeit und Raum zur Regeneration zu geben. Es ist ein Verzicht im Hier und Jetzt, um die Lebensgrundlage für die kommenden Jahrzehnte und Generationen zu sichern. 

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